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Cröbern 1813

Recherche

Der historische Dioramenbau kommt nicht ohne Recherche aus. Dem Auge des kritischen und historisch versierten Betrachters würde nicht entgehen, wenn ein Diorama auf lückenhaftem Wissen basierte. Die historische Recherche ist deshalb eine wichtige Aufgabe, noch bevor der eigentliche Dioramenbau beginnen kann. Sie hat aber neben Modellbau und Figurenbemalung ihren eigen Reiz. Denn der Dioramenbauer eignet sich vielfältiges Wissen über einzelne Ereignisse, Militär- und allgemeine Geschichte, Kostüm- und Uniformkunde, Botanik und Häuserbau, historische Topographie, Agrar- und Handwerkstechniken u.v.m. an.

Glücklicherweise muss der Dioramen- und Modellbauer nicht alles selbst aus den Archiven ermitteln, weil er auf umfangreiche Vorarbeiten zurückgreifen kann. Diese findet er in erster Linie in der geschichtswissenschaftlichen Literatur. Bei einem recht speziellen Thema wie dem Ausschnitt eines Schlachtfelds zu einem bestimmten Zeitpunkt reicht das allerdings meist nicht aus. Deshalb sind wir für die Realisierung unseres Cröbern-Projekts auf die Hilfe von ortskundigen Heimatforschern und Amateurhistorikern angewiesen, deren Detailkenntnisse weit über das hinausgehen, was akademische Historiker je beitragen können. Das gilt umso mehr, wenn der Ort des Geschehens nicht mehr existiert ‒ denn Cröbern ist in den frühen siebziger Jahren dem Braunkohlentagebau zum Opfer gefallen, an der Stelle des Dorfes und der umliegenden Gemarkungen liegt heute der Markkleeberger See.

Unser besonderer Dank gilt Elisabeth Klabunde, der Kuratorin von „Verlorene Orte e.V.“, sowie Werner Sroka, Rainer Ostermann, Rudolf und Helmut Dietze, ehemaligen Bürgern Cröberns, für ihre erschöpfenden Erläuterungen zum alten Cröbern und die Bereitstellung ihrer Fotoarchive. Andreas Baage, Christian Krobitzsch, Wolfgang und Joachim Gerlach vom „Förderverein Historisches Torhaus Markkleeberg 1813 e.V.“ danken wir für ihre sachkundige Führung über das ehemalige Schlachtfeld und für die Überlassung ihrer Spezialliteratur zum Thema Völkerschlacht; Jörg Scheibe und Jörg Titze für ihre Unterstützung bei den Recherchen zur preußischen Armee; nicht zuletzt Dr. Michael Schwab aus  Wien für seine Hilfestellung zur österreichischen Armee. Daneben steuerten auch die militärhistorisch kundigen Figurensammler, Dioramenbauer und Fans der napoleonischen Epoche auf den Internetforen „Modellfiguren Online“ und „Napoleon Online“ mit ihrem Wissen und zusätzlichem Bildmaterial zum Gelingen des Projekts bei. Allen Beteiligten dafür noch mal unseren aufrichtigen Dank!

Eine der wichtigsten Entscheidungen beim Dioramenbau ist, welcher Ausschnitt aus der Topographie zu welchem Zeitpunkt dargestellt werden soll. Da das Diorama nur einen Augenblick des Gesamtgeschehens, gewissermaßen eine eingefrorene Szene zeigen kann, muss der Zeitpunkt so gewählt sein, dass sich eine möglichst für das Geschehen zentrale Situation darstellen lässt. Die einzelnen Bestandteile des Dioramas sollten dabei so miteinander in Beziehung treten, dass trotz der statischen Darstellungsform ein dramatischer Ablauf deutlich wird, eine Geschichte nachvollzogen werden kann.

Die im historischen Überblick gegebenen Informationen sollten verdeutlichen, wieso wir uns für den Ort Cröbern entschieden haben. Dieses Dorf wird in seiner kompletten Größe im Zustand vom Oktober 1813 rekonstruiert, der so exakt wie möglich aus den Quellen ermittelt wird. Dazu gehören etwa 90 einzelne Gebäude nebst umliegender Landschaft einschließlich eines Bachlaufes, Mühlenteichen, eines Wäldchens u.v.m. Der gewählte Zeitpunkt ist der 16. Oktober, kurz nach vier Uhr nachmittags; also müssen soviele Figuren wie nötig zum Einsatz kommen, um alle Personen zu repräsentieren, die sich zu diesem Zeitpunkt in oder bei Cröbern aufgehalten haben oder zumindest mit großer Wahrscheinlichkeit dort waren.

Es kommt uns entgegen, dass wir für das heute im Torhaus Markkleeberg zu besichtigende, im Rahmen des „Freundeskreises Napoleonische Geschichte e.V.“ erstellte Großdiorama zur Schlacht bei Wachau bereits erhebliche Recherchen geleistet haben. Die wichtigste Grundlage dafür war eine Ausarbeitung zum südlichen Schlachtfeld, die der gebürtige Markkleeberger Felix Günther bereits in den dreißiger Jahren veröffentlichte (Felix Günther: Die Schüsselstellung Markkleeberg in der Völkerschlacht bei Leipzig, Markkleeberg, Leipzig: Linder, 1938). Günther forschte damals in den österreichischen und preußischen Kriegsarchiven, um viele frühere Annahmen über die Abläufe am 16. Oktober 1813 richtigzustellen. Die französische und russische Sicht kommt in Günthers Arbeit etwas zu kurz, die Beteiligung dieser Nationen von ihm wird recht tendenziös dargestellt. Trotzdem ist dieses Buch nach wie vor ein unverzichtbares Standardwerk zur Geschichte der Schlacht bei Cröbern. Darüber hinaus liefern die Erinnerungen damaliger Einwohner von Markkleeberg, Cröbern, Crostewitz und Wachau wertvolle Informationen, darunter gerade solche, die in rein militärgeschichtlichen Abhandlungen völlig ignoriert werden.

Zusammen mit diesen Schriftquellen, dem historischen Kartenmaterial, einer großen Zahl historischer Fotos von Cröbern, den mündlichen Informationen der früheren Bewohner sowie historischen Aufrisszeichnungen der Pfarrkirche ist die Quellengrundlage für unser Dioramenprojekt also mehr als ausreichend, um die von uns gewählte Situation darzustellen:

Die ungarische Infanteriedivision Bianchi hat den Ort bereits fast vollständig durchquert. Ihre ersten Regimenter sind auf dem Weg Richtung Markkleeberg und Kellerberg. Ein Teil der Division steckt aber immer noch in Cröbern fest, einige Bataillone werden schließlich auch hier in Reserve bleiben, nämlich das 48. Regiment (Simbschen) und das 2. Bataillon des 32. Regimentes (Esterházy). Vor der Ortschaft sammeln sich die Grenadierbataillone der Division Weißenwolff und formieren sich zu Kolonnen. Nördlich von Cröbern steht das österreichische 8. Kürassierregiment (Hohenzollern). Weiter östlich warten das 2. und 4. Kürassierregiment in einer Reservestellung. Auf der Straße von Gaschwitz nach Cröbern hält die österreichische Korpsartillerie. Sie steckt fest, da die Gaschwitzer und die Güldengossaer Straße in Cröbern mit Truppen verstopft sind. Ein Teil der österreichischen Batterien bezieht dennoch bereits Feuerstellung. Die Straßen des Ortes sind überfüllt mit verwundeten und zurückgegangenen Preußen und Russen, dazu mit preußischer und russischer Artillerie, die sich verschossen hat oder deren Bespannung fehlt. Alle Arten von aufgegebenen Wagen vervollständigen das Chaos. Der Petermann’sche Gasthof im Ort ist für einen preußischen Hauptverbandsplatz in Beschlag genommen, der regen Zustrom hat. Ein Teil der Einwohner Cröberns befindet sich ebenfalls noch im Ort, ein Großteil davon in oder bei der Kirche. Östlich des Dorfes sammeln sich die russischen Lubnyj-Husaren und russische Kürassiere.

Cröbern liegt unter Beschuss französischer Batterien, die von Auenhain aus feuern. Geschosse schlagen in die Menschenmassen auf den überfüllten Straßen. Einige Höfe im Dorf brennen bereits.

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