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Re: 3D oder Modellierkunst?

Verfasst: Di 18. Feb 2020, 18:09
von Hagen-Miniatures
Ich möchte nochmal darauf eingehen was Patrick schrieb.

Zitat:
Am meisten teile ich aber Andi`s Meinung, das unser Hobby auf Dauer "ausstirbt".
Mit meinem zarten Alter von 50 war ich in Kulmbach ein Jüngling.
Und wenn man ehrlich ist, ist das auf unserer Dioramica nicht viel anders.


Ich meine Kulmbach kann nicht der Maßstab sein - denn dort trifft sich nun wirklich die gaaaanz alte Riege der (hauptsächlich) Flachfigurensammler.
Auch der Altersdurchschnitt auf der Dioramica ist nicht unbedingt repräsentativ.
Meiner Erfahrung nach bleiben viele jüngere Figuren-Sammler/Maler/Dioramenbauer/Spieler am liebsten für sich im stillen Kämmerlein.
Auch habe ich die Erfahrung gemacht das von 10-20 Tabletopspielern mindestens mal einer den Weg zur Historie findet und das sind durchweg Jüngere.

Wir haben 1989 angefangen (Imperial bzw. Fine Scale Factory, falls die "alten Säcke" sich daran noch erinnern :D ) und ich stelle mal die kühne Behauptung auf das ich wohl von den hier anwesenden mit am längsten im 1:72 Bereich unterwegs bin.
Gemeint ist Herstellung und Verkauf, nicht sammeln und malen (damit habe ich viel früher angefangen) - falls ich mich irren sollte, korrigiert mich bitte !
Worauf ich hinaus will ist, das in dieser ganzen Zeit unser Hobby des Öfteren für Tod bzw. Nahe am Ende erklärt wurde.
Und trotzdem sind wir alle noch da (na ja, fast alle).
Ich denke das Hobby unterliegt andauernden Veränderungen - man muss sich nur entsprechend darauf einstellen und auch einlassen.
Gruss

Andy

Re: 3D oder Modellierkunst?

Verfasst: Di 18. Feb 2020, 19:23
von Patrick
Jeder von euch hat seine Erfahrungen gemacht und ist auf seinem Gebiet absolut unangefochten kompetent.
Da wage ich nicht irgendwo mit meiner Amateurmeinung rein zu grätschen.

Ich sehe das mehr aus meiner persönlichen kaufmännischen, beruflichen Schiene.

Wieso druckt der Zahntechniker das Implantat oder Sonstiges im 3D Drucker?
Ist das Handwerk des Zahntechnikers zu teuer?
Ist einfach der Preis das ausschlaggebende Argument?, ich glaube ja!!!

Jede neue Technik hat am Anfang die hohen Investitionskosten, die aber nach Marktreife
die Preise purzeln lässt.
Ich glaube genau diese Erfahrungen wird Michael gerade mit seinen 3D Figuren machen.

Qualität und Geschmack mal bei Seite, jeder hat seine Präferenzen, aber
die Marktführer gerade im 28mm Bereich werden nicht irren.
Stückpreise pro Figur werden den Markt so oder so bereinigen.

Ich möchte mir aber als Hobbyist und aus der nicht kommerziellen Sicht den Spaß erhalten.
Also seien wir nicht zu "deutsch" :D
Denken wir positiv, das unser Hobby uns noch lange erfreut. Händler und Konsumenten.

Wie Andy sagt, wir unterliegen Veränderungen und müssen uns dem stellen. Und das nicht nur im Hobby.

Re: 3D oder Modellierkunst?

Verfasst: Di 18. Feb 2020, 21:02
von Wolfgang
Mir als Dioramen Bauer ist es egal, ob die Figuren händisch modelliert sind oder virtuell kreiert wurden. Es müssen nur schöne Figuren sein, die auch eine Szenerie nachbilden und erklären können.

Ich möchte ja mit diesen Figuren eine Geschichte erzählen.

Der große Vorteil von Masterfiguren die in Handarbeit gefertigt wurden, ist nicht die Technik, sondern das große Wissen der Modelleure um Geschichte, Anatomie von Bewegungen der Figuren im Konsens zur dargestellten Epoche. Zum Beispiel bei den napoleonischen Figuren sind es einfach die korrekten Haltungen in ihren Formationen, Lade- oder Schießhaltungen. Bei anderen Epochen z.B. dem Mittelalter sind es das Wissen um korrekte Rüstungen, Schwerthaltungen etc.

Bei den Experten, welche solch eine 3D Figur entwerfen und nicht aus dem Geschichtshobby kommen, wird es immer eine Zeit lang brauchen, bis eine historische Figur in ihrer Anatomie und historischer Korrektheit, passend für den Kunden fertiggestellt ist.

Ein gutes Beispiel sind die Modelleure, welche hier im Forum vertreten sind. Ob es jetzt Massimo, Francesco, Frank oder Erik sind, um nur einige exemplarisch zu nennen, da weiß man, dass man fantastische, historisch korrekte Figuren bekommt, wenn man als Kunde die Figuren in Auftrag gibt oder erwirbt. Da bedarf es keiner Hilfestellung, die Modelleure sind schon Experte mit ihren Techniken und dem historischen Wissen.

Bei den 3D Modelleuren muss man schon viele Quellen und Bildmaterial beschaffen, damit sie die Kundenwünsche umsetzen können.

Ich war eigentlich immer etwas skeptisch, was die 3D Figuren betraf. Durch das „Rorke`s Drift“ Programm von Michael wurde ich jedoch angenehm überrascht. Michael ist auch einen anderen Weg gegangen, er hat zum Beispiel bei den Zulu ein Riesen-Figurenprogramm aufgelegt um alle Facetten abzudecken. Neben den üblichen Haltungen gibt es auch verschiedene Briten/Zulu-Pärchen, die genau aufeinander abgestimmt sind. Das ist genau der Weg, welche auch den 3D Druck bei Figuren in Dioramen nach vorne bringen wird.

Das ist übrigens auch das richtige Konzept für Großdioramen, ob es jetzt das umfangreiche Figurenangebot für „Solferino“ ist oder das Riesenangebot von Jörg Schmäling für unsere napoleonischen und römischen Dioramen.
Die händische Modellierung von Figuren in unserem Maßstab, wird nie aussterben, es ist einfach eine Kunstform für sich. Bei den 3D Figuren sehe ich auch eine große Zukunft.

Ich freue mich jedenfalls, dass es mittlerweile ein solches Angebot für unser Hobby gibt. In erster Linie baue ich meine Dioramen ja für mich und ich freue mich solange ich das noch kann. Wie es dann in 20 oder 30 Jahren aussieht, ist mir dann auch relativ egal. Da werde ich dann andere Probleme haben.

Hier noch ein Bild dieser 3D Figuren, das sind doch die richtigen Figuren für Dioramen Bauer, oder?

Briten-kämpfend.jpg
Briten-kämpfend.jpg (279.29 KiB) 591 mal betrachtet

Re: 3D oder Modellierkunst?

Verfasst: Di 18. Feb 2020, 21:36
von Patrick
Ja stimmt eigentlich, was ist in 10/20 Jahren? Eigentlich Wurscht :roll:

Re: 3D oder Modellierkunst?

Verfasst: Mi 19. Feb 2020, 14:09
von Frankzett
Das handwerkliche Modellieren wird wohl nie ausserben, genauso wie es eine Kunsthandwerkliche Niesche ist. Und es wird immer wieder Kunden geben die das schätzen. Die Lebendigkeit solcher Figuren ist natürlich nicht durch "fehlerhafte" Modellierung zu erklären, sondern durch die Fähigkeit bzw Notwendigkeit zu stilisieren - das geht ja auch im 3D-Druck, und erfahrende 3D-Modelleure beherrschen das auch. Es kommt eben darauf an wieviel Sorgfalt für jedes Qualitätsmerkmal aufgewendet wird. Historische Korrektheit, Stilisierung für ein gutes Bemalen, natürliche Haltungen, Induvidualität, Oberflächenbehandlung usw. muss eben zusammenkommen. Beim 3D-Druck sind die technischen Qualitätsmerkmale ohne Zweifel die besseren, sie sind gleichmäßig und fein justierbar, alles andere hängt vom Modelleur ab. Ob aber superfeine Details tatsächlich notwendig sind, ob ein Modelleur erkennt wie verkleinerte Proportionen wirken, wie robust eine Figur sein sollte, denke ich, ist mindestens genauso wichtig.
Vielleicht setzt sich aber auch ein vom 35er-oder 32er-Maßstab skalierter Figurenstandart mit kleinen Köpfchen, hauchfeine Hände und Füße durch...das wäre naürlich blöd :lol:
Viele werden sich wohl einen Drucker besorgen und Drucken bis der Doktor kommt und letzendlich werden dann auch mit der Zeit die Schachteln und Regale im Hobbyraum mit rohen Ausdrucken voll sein. Dann wird man nachdenken und sich vielleicht fragen ob das viele Drucken zuhause so viel besser war......

Viele Grüße
Frank

Re: 3D oder Modellierkunst?

Verfasst: Mi 19. Feb 2020, 21:19
von stenfalk
Jetzt muss ich doch auch mal noch meinen Senf in den Ring werfen. Und da lautet das Fazit für den Endverbraucher, vorrangig den Dioramenbauer und Figurenbemaler, zunächst einmal: Freut Euch! Ein derart breites und überzeugendes Angebot wie heute – wann gab es das schon einmal? Und morgen wird es vielleicht noch besser, auch wenn es immer diese eine Figur oder diesen einen Bausatz oder was man sonst für die Umsetzung seiner Idee gerade bräuchte, natürlich gerade (noch) nicht gibt!

Darüberhinaus wird es allerdings schon schwieriger. Es gibt neben den beiden o.g. – und selbst innerhalb dieser Gruppen – einfach viel zu viele unterschiedliche Intentionen, als dass man eine Bewertung, geschweige denn eine Prognose darüber stellen kann, wo die Reise hingeht. Denn dort, wo der eine Modellbauer ein fertiges Diorama als seinen Modellbau betrachtet, tut ein anderer dies darin, eine Figur zu modellieren; einer baut Plastikmodelle mit PE- und Resin-Zurüstsätzen, der nächste baut mit Vorliebe die Dinge nach, von denen es gerade keinen Bausatz gibt. Ich für meinen Teil modelliere Figuren z.B. erst einmal nur unter dem Aspekt der Herausforderung, ein „Produkt“ wird eigentlich nur beiläufig daraus. Und so werde ich es auch halten, wenn ein 3D-Entwickler sich erfolgreich vergleichbaren Themen widmet. Dann gibt es eben nicht nur ein Känguruh von A, sondern auch noch ein Känguruh von B und irgendwann auch noch eins von C. Problematisch wird das Ganze nur – und zwar für A, B und C – wenn man davon leben will oder muss. Ansonsten ist das Nebeneinander von händischer und 3D-Modellage viel weniger problembehaftet als z.B. Raubkopiererei, weil sich das Angebot bei mehreren Anbietern ähnlicher Produkte i.d.R. ergänzt, während man letzterenfalls gegen seine eigene Arbeit konkurriert und ggf. um erwartete Einahmen aus Verkäufen betrogen wird, die man vorfinanziert hat.

Man darf aber auch nicht vergessen, dass der „Druck“ in der 3D-Ecke nicht isoliert betrachtet werden kann. Denn neben der Entwicklung beim „Output“, also bei den Druckern, stehen ja auch Fortschritte beim Input entgegen; damit werden sich möglicherweise auch den Handmodellierern neue Möglichkeiten eröffnen. Ich möchte hier nur mal die Scannertechnik erwähnen, 3D natürlich. Lass da mal was auftauchen, was massenkompatibel, preiswert und technisch in der Lage ist, seine eigenen Skulpturen einzuscannen (und auszudrucken); da brauche ich als Skulpteur vielleicht schon bald keinen Abformer/Gießer mehr. Oder ich schicke meinen Scan als Datei zu Shapeways (wenn es die dann noch gibt, ist ja auch nicht in Stein gemeißelt, dass man auf alle Ewigkeit Dienstleister in diesen Prozess einbinden muss) – fertig! Dann mache ich im Prinzip nichts anderes, als der 3D-Zeichner.

Also, alles offen...

Re: 3D oder Modellierkunst?

Verfasst: Fr 21. Feb 2020, 16:33
von dirk
Ich kann da Torsten nur zustimmen !