Leben im Mittelalter

Hartung W
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Leben im Mittelalter

Beitrag von Hartung W » So 27. Aug 2017, 15:31

Ursprünglich wollte ich eine kleine beschauliche Ritterburg im Maßstab 1:72 bauen. Das fing dann mit der Recherche im Internet nach passenden Vorlagen an. Aber die echten Burgen entsprachen alle nicht meinen Vorstellungen. Außerdem habe ich bisher, wenn irgend möglich, meine eigenen Fantasien realisiert und festgestellt, dass es mir wesentlich mehr Spaß macht, wenn ich mein eigener "Architekt" bin und damit meinen Gedanken freien Lauf lassen kann, ohne geschichtliche Vorgaben ganz zu vernachlässigen.

Nach grober Planzeichnung startete ich mit dem Wohngebäude inkl. Rittersaal. Dann kamen mir die Firmen Valdemar, Nikolai und Hecker & Goros mit ihren prächtigen Mittelalterfiguren dazwischen. Da gab es plötzlich herrliche Szenen wie Pranger, Badehaus, Markttreiben usw. Endlich mal Hersteller von Zivilisten! Aus war es mit der kleinen beschaulichen Burg. Das Projekt wurde gedanklich schlagartig vergrößert.

Diese wunderbaren Figuren mussten unbedingt eingebaut werden, was zur Folge hatte, dass ein Umfeld geschaffen werden musste (Wald, Marktplatz, Kloster, Stadt). Die Firma Zvezda hat mich mit ihrem kleinen mittelalterlichen Boot dann auch noch dazu verleitet, einen kleinen Hafen einzubauen. (Dieses kleine Boot kann man wirklich immer wieder gebrauchen).


Da ich nur über ein kleines Bastelzimmer verfüge, musste das Projekt in kompatible Einzelteile zerlegt werden. So entstand dann im Laufe der Zeit ein Diorama in dem Maß 1 m x 1,50 m (anstatt der ursprünglich geplanten 0,60 m x 0,40 m). Dabei habe ich festgestellt, dass Grundvoraussetzung für die Durchführung eine äußerst geduldige, liebevolle und einfühlsame Ehefrau ist, die es aushält, wenn das Wohnzimmer ständig von Burgteilen belagert ist. Kein Problem für mich, denn so eine habe ich. Sie hat sich sogar anstecken lassen und hat mich bei jeder Gelegenheit unterstützt, wenn es um Beschaffung von Materialien aus Natur und Modellbau ging.
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Hartung W
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Re: Leben im Mittelalter

Beitrag von Hartung W » So 27. Aug 2017, 15:36

Für die Turnierzelte habe ich Papier verwendet. Unverzichtbar ist für mich Ponal. Es dient nicht nur zum Zusammenkleben der Teile, sondern auch zur Stärkung von Papier und Pappe. Wenn man z.B. Pappe mit Ponal einstreicht und das Teil einen Tag trocknen lässt, kann man hier ebenfalls mittels eines Spitzbohrers schön strukturieren (z.B. Holzmaserung). Ponal ist auch wichtig für die Verleimung von Styropor oder Styrodur, denn die Verwendung von anderen Klebern wirkt sich verheerend aus. Sie fressen sich regelrecht ins Material. Eine ätzende Angelegenheit! Größere Flächen wie die Bodenplatten aus Styropor kann man gut mit einem speziellen Styroporkleber aus dem Baumarkt verbinden.
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CARNUNTUM
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Re: Leben im Mittelalter

Beitrag von CARNUNTUM » So 27. Aug 2017, 15:36

Wunderbare Gebäude ! Mehr davon !!

Hartung W
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Re: Leben im Mittelalter

Beitrag von Hartung W » So 27. Aug 2017, 16:05

Im Baumarkt hatte ich Polystyrol-Platten entdeckt, die ursprünglich vom Hersteller zur Wärmedämmung gedacht sind. Ich hatte diese Platten, die im Zehnerpack billig zu kriegen sind (4mm bis 6 mm stark) ursprünglich als Bodenplatte gedacht, bis ich beim Aufzeichnen des Maßes mittels Bleistift erkannt habe, wie einfach und sauber man auf diesem Material Strukturen anbringen kann. Es ist auch leicht zu schneiden mit Bastelmesser oder Heißdrahtschneider. Im Internet habe ich dann festgestellt, dass dieses Polystyrol mittlerweile schon viele Modellbauer verwenden und sogar die Herstellerfirma damit wirbt. Das war also keine Erfindung von mir, sondern bereits gängige Praxis.

Was ich früher mühsam aus Pappe hergestellt hatte (z.B. Burgmauern, Pflastersteine), konnte ich nun mit wesentlich weniger Zeitaufwand verwirklichen. Lediglich die Dächer und feinere Teile fertige ich noch aus Pappe (z.B. Bretter, Planwagen, Zugbrücke). Hin und wieder sind auch feine Holzleisten /- stäbe (rund oder eckig) sehr gut zu gebrauchen. Auch Zündhölzer, Zahnstocher oder Schaschlikspieße eignen sich gut für Geländer, Fahnenstangen etc.
Bei der Gestaltung der Landschaft verwende ich Material von Heki und NOCH (Bäume und Wiesen), Molto Holz Reparatur-Spachtel (Wege und Gelände), sowie Gips für die Felsen.
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Hartung W
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Re: Leben im Mittelalter

Beitrag von Hartung W » So 27. Aug 2017, 16:11

Zum Bemalen der Figuren, Mauern und der Felsen nehme ich gerne Ölfarben, weil ich da bereits ein breites Sortiment besitze und über etwas Erfahrung verfüge. Andere können wieder besser mit Acrylfarben umgehen. Die Grundierung erfolgt bei den Figuren mit weißem Mattlack von Revell oder Humbrol.
Die Styrodurteile grundiere ich mit weißem, schnell trocknendem matten Acryllack vom Baumarkt (in der Menge wesentlich billiger und verträgt sich gut mit Styrodur).
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Re: Leben im Mittelalter

Beitrag von Hartung W » So 27. Aug 2017, 16:15

Für alle, die es interessiert, hier ein Tipp zur Erstellung von Maserungen auf Pappe, dargestellt im Zusammenhang mit der Erstellung einer Dachplatte (1:72):

1. Schritt: Ausschneiden von schmalen Pappstreifen (ca. 3 mm breit) mit Schere, Bastelbesser oder am rationellsten mit Schneidemaschine (Pappe von div. Verpackungen, wie z.B. Figurenschachteln etc.).
2. Schritt: Zuschneiden der Pappstreifen auf ca. 6 - 7 mm Länge (muss nicht so genau sein, da die Dachschindeln letztendlich übereinander geklebt werden (siehe Bild)).
3. Schritt: Anbringen der Schindeln auf ein vorbereitetes Stück Pappe in der benötigten Größe des Dachs mittels Ponal, dann trocknen lassen.
4. Schritt: Überstreichen der gesamten Dachschindeln mit Ponal (nicht zu dünnflüssig, denn dieser Ponalüberzug ist die Grundlage für die anschließende Strukturierung).
5.Schritt: Die Leimschicht ca. 4-5 Stunden eintrocknen lassen (die Schicht ist dann getrocknet, aber noch nicht ganz gehärtet). Danach gravieren der Schindeln mit Spitzbohrer (siehe Bild).
Zugegeben, das ist schon etwas arbeitsintensiv, aber man braucht dazu keine großen handwerklichen Fähigkeiten. Vorteile: Nahezu kostenlos, Dächer sind leicht in jeder Größe und Form anzufertigen, was z.B. mit fertigen Plastikteilen wesentlich schwieriger wäre.
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Re: Leben im Mittelalter

Beitrag von Hartung W » So 27. Aug 2017, 16:22

Das Diorama ist insgesamt in neun Segmente aufgeteilt.Wir kommen nun zum Zentrum: Die Festung im mittleren Teil. Es rührt sich was im Innenhof, dank weiterer Figuren von Valdemar, die damals successive erschienen. Die Figuren dieses dänischen Herstellers in 1:72 sind wie immer sehr filigran gestaltet und seine Mittelalter-Serie geht nach wie vor in gewohnter Qualität weiter. Der Ideenreichtum lässt dabei keine Wünsche offen. Es kann deshalb leicht sein, dass ich mich diesbezüglich eines Tages noch mal mit dem Thema befasse. Die Figuren werden von Conny mit Fredericus Rex in Deutschland vertrieben.

Die Wachsoldaten sind größtenteils von Zvezda und auch sehr fein ausgeführt, so dass auch hier keine größere Nachbearbeitung für Entgratungen vor der Bemalung notwendig war. Sämtliche Gebäude entstammen übrigens meiner Fantasie. Jede Ähnlichkeit mit noch bestehenden oder zerstörten Burgen wäre rein zufällig!
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Re: Leben im Mittelalter

Beitrag von Hartung W » So 27. Aug 2017, 16:27

Ich hatte bei dieser Burg ein paar Extras eingebaut, wie z.B. Beleuchtung im Badehaus und Rittersaal, dessen Aussenwände abnehmbar sind um Einsicht zu gewähren. Die Zugbrücke ist funktionsfähig, ebenso das Fallgitter und das Tor. Ich habe bei diesem Diorama meiner Fantasie freien Lauf gelassen und soviel schöne Klischees wie möglich eingebaut, wie z.B. Robin Hood etc. Großen Wert lege ich darauf, dass ich den Beutelschneider im Zigeunerlager schon eingebaut habe, bevor der später zu kaufen war. Katapult, Zigeunerwagen, Planwagen, Marktstände, Turnierzelte - eigentlich so ziemlich alles - ist scratch gebaut. Lediglich bei den Tannenbäumen musste ich widerstrebend auf das Material aus dem Eisenbahn-Modellbau zurückgreifen. Bei der Menge war mir die Arbeit zu mühsam und die Alternative zu teuer. Aber zumindest habe ich da die Stämme verlängert, damit sie etwas mehr der Natur entsprechen.

Eigentlich hätte ich das Ganze noch gerne mit einem Ritterturnier erweitert. Jedoch bis heute fehlen mir die Figuren dazu. Aber da ist ja Einiges im Werden.

Nachteil des Dioramas: Wegen der Grösse kann es nicht ausgestellt werden. Wenn ich es transportieren würde, müsste meine Frau zu Hause bleiben. Und das ist es mir nicht wert. Aber der Bau hat viel Spass gemacht !
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Re: Leben im Mittelalter

Beitrag von stenfalk » So 27. Aug 2017, 17:34

Soviel Liebe zum Detail! Und jedes Foto voller kleiner Überraschungen für's Auge! Ich finde dieses Diorama wirklich sehr, sehr schön.
Beste Grüße,

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Wolfgang
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Re: Leben im Mittelalter

Beitrag von Wolfgang » So 27. Aug 2017, 19:18

Fantastisch Wolfgang, ich kannte das Diorama ja schon von Bildern. Es ist durch die ganzen Details echte Inspiration für Szenen die ich noch kreieren möchte. Toller Dioramenbau.
Liebe Grüße, Wolle

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