Solferino 1859

Andi
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Re: Solferino 1859

Beitrag von Andi » Di 29. Okt 2019, 08:50

Grandios! Wie schön etwas wird, wenn man mit ganzem Herzen dabei ist.

Wolfgang
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Re: Solferino 1859

Beitrag von Wolfgang » Di 29. Okt 2019, 09:41

Tolle Bemalung, Roland!
Liebe Grüße, Wolle

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Frankzett
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Re: Solferino 1859

Beitrag von Frankzett » Di 29. Okt 2019, 20:46

Ein Aspekt der Landschaftsgestaltung hat mir, seit ich mich immer wieder mit der Schlacht von Marengo beschäftige keine Ruhe gelassen. Wie können Truppen durch Weinfelder bzw. Weinberge marschieren? Selbst Manöver der Kavallerie durch Weinfelder muss es wohl gegeben haben, die Vorgänge sind belegt, das Exerzierreglement ist ja auch bekannt ... wie kann es sein, dass selbst Kavallerieformationen durch das Kulturland bewegt wurden, gab es da tatsächlich Stützgerüste in den Weinkulturen?? In der Tat ist die Spaliererziehung der Reben am Drahtrahmen eine sehr junge Erscheinung, im Mittelmeerraum wurden die Reben an Bäumen, am Pfahl und freistehend auf den Stock kultiviert bzw erzogen.
Eine Anregung habe ich hier gefunden:https://www.wikiwand.com/de/Reberziehung
Insbesondere die Rebenerziehung an Bäumen wie sie im 18. Jh. in der Toskana nicht unüblich war, ist für heutige Augen sehr ungewöhnlich. Ich bin da weiss Gott kein Experte, ich denke jedoch, dass für die Mitte des 19. Jh. für Norditalien wohl eher der freistehende Rebstock, bzw. die Rebe am Pfahl infrage kommt, ein Weinbau an Gerüsten hätte doch jedes Manöver und jeden Aufmarsch vereitelt, oder?

Viele Grüße
Frank

stenfalk
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Re: Solferino 1859

Beitrag von stenfalk » Di 29. Okt 2019, 22:47

Frankzett hat geschrieben:
Di 29. Okt 2019, 20:46
Insbesondere die Rebenerziehung an Bäumen wie sie im 18. Jh. in der Toskana nicht unüblich war, ist für heutige Augen sehr ungewöhnlich. Ich bin da weiss Gott kein Experte, ich denke jedoch, dass für die Mitte des 19. Jh. für Norditalien wohl eher der freistehende Rebstock, bzw. die Rebe am Pfahl infrage kommt, ein Weinbau an Gerüsten hätte doch jedes Manöver und jeden Aufmarsch vereitelt, oder?
Ich finde es spannend, Themen wie dieses grundsätzlich aufzugreifen, nicht nur für das 19. Jh. in Norditalien. Selber vermag ich zu diesem Punkt zwar leider nichts Klärendes beizutragen; es ist aber einfach interessant zu versuchen - und hier gehört es m.E. ganz grundlegend dazu, erst einmal die richtigen Fragen zu formulieren - Aspekte des Lebensalltags früherer Jahrhunderte auf ihre Relevanz hin abzuklopfen. Kann dies und jenes so oder so gewesen sein? Oder muss aufgrund der überlieferten Daten früher etwas anders gewesen sein als heute? Und anders als noch früher? Und wenn, dann wie?

Deine Frage ist so eine. Weiß da jemand vielleicht mehr? Ich bin da echt neugierig.
Beste Grüße,

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Patrick
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Re: Solferino 1859

Beitrag von Patrick » Mi 30. Okt 2019, 01:59

Ich baue das auf einem Hügel stehende Obere Dorf.
Laut Überlieferung fanden die Kämpfe behindert durch Gräben, Hecken und Mauern statt.
Die Österreicher warfen sogar Steine auf die vordringenden Franzosen.
Da sind die Weinreben das kleinste Übel :D

Wahrscheinlich hast du recht, aber ich musste schon sehr viele Kompromisse eingehen.
Ich zeige französische Artillerie und Kavallerie. Beide waren maßstäblich nicht so nah am Dorf.

Ich habe für mich die Entscheidung getroffen: Schön muss es sein. :lol:

Mein Problem ist eher, das wohl nur sehr wenige über diese Epoche und gerade diese Schlacht Bescheid wissen oder ein Interesse haben.
Obwohl dort das Rote Kreuz seinen Ursprung hatte.

Es ist ja nur ein Hobby 8-)
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Frankzett
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Re: Solferino 1859

Beitrag von Frankzett » Mi 30. Okt 2019, 07:55

Ja, es ist klar Feldraine, Hohlwege oder ähnliche landschaftliche Strukturen sind heute fast völlig aus der Kulturlandschaft verschwunden und es ist heute schwer vorstellbar wie sich solche Ereignisse abgespielt haben. Dennoch, was machte den Zauber der Landschaft aus, dass sämtliche Geistesgrößen der damaligen Zeit Italien durchstreiften? - Die uralten knorrigen freistehenden Weinstöcke oder weinumrankte Bäume und das eine oder andere hölzerne Stützgerüst an der Randbebauung wird ja gerade diese üppige (weinselige) "Schönheit" des ländlichen Italiens ausgemacht haben. Man stelle sich vor, die blutigste Schlacht der damaligen Zeit in einer Szenerie der romantischen Sehnsüchte...
Zweifellos, schön ist es jetzt schon und wird es allemal werden, das Dorf sieht ja schon sehr vielversprechend aus.

Viele Grüße
Frank

Wolfgang
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Re: Solferino 1859

Beitrag von Wolfgang » Mi 30. Okt 2019, 09:03

Hallo Frank,

ich weiß genau was du meinst. Wenn ich eine historische Szene im Diorama nachbauen möchte, will ich auch immer genau wissen, wie es damals gewesen ist oder gewesen sein könnte. Die Recherche ist bei unserem Hobby somit das reizvollste beim Dioramenbau. Der Ablauf der Geschehnisse, die korrekten Uniformen oder die historisch belegten Formationen sind da sehr wichtig, aber es ist nicht alles. Ich möchte auch immer wissen, wie war die genaue Topografie, wie waren Flora und Fauna, wie war das Wetter, wie war der Bauzustand von Gebäuden etc.

Manchmal ist es recht einfach an die richtigen Informationen zu kommen, manchmal wird es aber auch schwierig. Dann fängt es aber an, besonders viel Spaß zu machen, dann bestelle ich mir auch manchmal Bücher, die mit dem eigentlichen Geschehen gar nichts mehr zu tun haben. Das mit den historisch korrekten „Weinreben“ ist wirklich spannend. Patrick wird sich die Gedanken bzw. die Recherchen aber auch gemacht haben, sonst würde er die Weinberge nicht so dargestellt haben.

Aber das Thema „Recherche“ ist schon spannend! Bei „Cröbern 1813“ war das ein Prozess, der sich 6 Jahre lang hinzog, mit immer wieder neuen Erfolgserlebnissen.

Auch mein neues Dioramenthema „Rorke`s Drift 1879“ ist das beste Beispiel. Außer den Filmen „Zulu“ und „Zulu Dawn“ hatte ich überhaupt keine Ahnung von den Geschehnissen in Natal/Zululand. Mittlerweile habe ich ca. 40 Bücher zum Thema und weiß schon recht gut Bescheid, auch bei vielen Details. Aber dann kamen die Detailfragen, die mit dem eigentlichen Thema kaum noch etwas zu tun hatten. Die Schlacht um die Missionsstation fand am 22/23 Januar 1879 statt. Da war in Südafrika Sommer. Wie war jetzt also der Fruchtstand bei den Aprikosenbäumen im dortigen Obstgarten? Wie war der Blütestand der Aloe Vera Pflanzen? Wie sahen die Aprikosenbäume oder auch andere Obstbäume damals aus? Wie grün oder vertrocknet muss mein Gras sein? Wie war die Stroheindeckung von Gebäuden in dieser Region, im 19. Jahrhundert?

Das ist auch glaube ich die Intention, welche Frank hatte, als er diese Diskussion angestoßen hat. Wir Dioramenbauer sollten unsere Szenerien immer wieder hinterfragen. Ist das überhaupt plausibel, was ich oder wir da darstellen? Und wenn es nicht plausibel erscheint, kann es doch belegbare Beweise dafür geben. Die sollten dann gefunden werden.

Ich liebe die Recherche und auch die Diskussionen dazu, lasst uns das viel öfter machen, unsere Dioramen zu hinterfragen. Es ist spannend und vor allen Dingen, es hilft einem selbst und anderen Dioramenbauern weiter.
Liebe Grüße, Wolle

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Egbert
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Re: Solferino 1859

Beitrag von Egbert » Mi 30. Okt 2019, 13:52

Roland hat geschrieben:
Di 29. Okt 2019, 07:03
Chasseurs.
Sind die Paspelierungen nicht übertrieben? Klar. Sonst sähe man sie aus Betrachtungsentfernung nicht. Das sind die auf den üblichen Bildern auch. Der Blsu-Gelb-Kontrast ist halt sehr stark.
Wem sonst etwas auffällt: keine Zurückhaltung bitte.
Hallo Roland,
ja mir fällt da etwas auf.... :roll:

Dir Figuren wurden von dir exzellent bemalt!!! :o
Und die Farben find ich übrigens sehr gut getroffen, von Dir.
LG Egbert
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Roland
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Re: Solferino 1859

Beitrag von Roland » Mi 30. Okt 2019, 14:48

Danke.
Die Farbstellung verdanke ich einem langen Gespräch mit den Umheys.
Die einzig wirklich dumme Frage ist die, die man nicht stellt, weil man denkt, es sei eine dumme Frage.

Wolfgang
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Re: Solferino 1859

Beitrag von Wolfgang » So 3. Nov 2019, 18:49

Dieses Wochenende waren wir noch mal im Museum. Die Fortschritte beim Solferino-Diorama sind fantastisch, da kommt wirklich was sehr großes auf uns zu. Wenn erstmal 4000 Figuren auf dem Diorama die chaotischen Bedingungen in diesem kleinen Ort verdeutlichen, dann wird es dramatisch. Die Landschaftsgestaltung bzw. der Gebäudebau mit der Topografie sind wunderbar umgesetzt. Es gibt zwar noch Veränderungen beim Landschaftsbau, aber da wird Patrick bestimmt selber was zu schreiben.
Ich konnte schon den halbfertigen Friedhof, der außerhalb der Ortschaft liegt, bewundern. Mit ein paar dazugestellten Figuren habe ich mal die Größenverhältnisse dokumentiert. Ich kam nicht umhin ein paar Fotos zu schießen.

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Liebe Grüße, Wolle

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