Mylae 260 v. Chr.

Hartung W
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Re: Mylae 260 v. Chr.

Beitrag von Hartung W » Sa 27. Jul 2019, 19:21

Das verspricht ein tolles Diorama zu werden. So etwas sieht man nicht alle Tage ! Die Baubeschreibung ist sehr interessant !

Hast Du auch bei der Größe an den Transport zur Dioramica gedacht ? Das wollen sicher alle Dioramenfreunde gerne live sehen.

Ich freue mich auf die Fortsetzung

Viele Grüße

HartungW

krugi3
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Re: Mylae 260 v. Chr.

Beitrag von krugi3 » Sa 27. Jul 2019, 20:33

Hallo Hartung!

Ich würde es ganz gerne zur Dioramica mitbringen. Allerdings bringe ich es nicht in den Kofferraum meines Autos - das sind halt die Nachteile, wenn man einen Ferrari fährt. 8-) :o :?
Vielleicht fällt mir noch ein anderer Transportweg ein.

LG
Thomas

Wolfgang
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Re: Mylae 260 v. Chr.

Beitrag von Wolfgang » So 28. Jul 2019, 11:48

Sehr schöne Fortschritte am Diorama!

Und mit dem Transport zur nächsten DIORAMICA, da wird sich bestimmt was finden lassen. Es werden ja bestimmt wieder so einige Wiener Hobbyfreunde teilnehmen! ;)
Liebe Grüße, Wolle

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krugi3
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Re: Mylae 260 v. Chr.

Beitrag von krugi3 » Mo 26. Aug 2019, 10:09

Jedes Schiff hatte natürlich eine "Kapitänskajüte", was zur damaligen Zeit nicht mehr als ein Art Zelt am Heck des Schiffes war. Daran fand der Kommandant des Schiffes (und wahrscheinlich auch der Kommandant der Marineinfanterie) Platz. Zvezda liefert kein Interieur, da aber einsichtig, versorgte ich die Kommandanten mit Decken, einer großen und zwei kleinen Truhen (eine davon abgedeckt). Zusätzlich montierte ich noch eine Zeltbahn am offenen Teil des Zeltes, damit das Zelt auch wirklich zugemacht werden kann. Die Ausstattung der Zelte variiert leicht bei jedem Schiff.

Das Zelt wurde vor dem Kampf normalerweise abmontiert und unter Deck gebracht, da ich aber - wie bereits erwähnt - von zeitlichen Problemen ausgehe, bleiben sie an der ursprünglichen Stelle.

Die Decken sind aus Papier, die Zeltbahn ebenso, die Truhen sind etwas adaptiert von Esci (französiche Gardeartillere bzw. britische Artillerie).

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LG
Thomas

CARNUNTUM
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Re: Mylae 260 v. Chr.

Beitrag von CARNUNTUM » Mo 26. Aug 2019, 13:08

Großartiges Diorama das Du da vorhast ! Ich liebe auch größere Dioramen , musste schon 2018 dafür einen Kleinlaster mieten um mein "Zeug" zur DIORAMICA zu schaffen . Auch für 2o20 werde ich einen Kleintransporter mieten müssen , zu groß ist das geplante Dio .

Michael Schwab
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Re: Mylae 260 v. Chr.

Beitrag von Michael Schwab » Mo 26. Aug 2019, 13:54

Wirklich ein Glücksfall, dass die Schiffe so überraschend in den Kampf gingen - sonst hätten wir die Zelte samt Interieur nur zusammengelegt gesehen. Wäre zwar einfacher zu modellieren gewesen, aber bei weitem nicht so visuell attraktiv 8-)

krugi3
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Re: Mylae 260 v. Chr.

Beitrag von krugi3 » So 1. Sep 2019, 13:14

Da die Römer den Karthagern in einer Seeschlacht weit unterlegen waren, kamen sie auf die Idee eine Seeschlacht in eine Landschlacht (bei der sie überlegen waren) umzugestalten. Zu diesem Zweck entwickelten sie eine Geheimwaffe - den Corvus (Latein für Rabe). Es handelt sich dabei um eine Art Zug-/Enterbrücke, die auf das gegnerische Schiff herabgelassen werden konnte und sich mit einem leicht gekrümmten Metallsporn (wie der Schnabel eines Raben, daher der Name) im Deck verhaken sollte. Somit wurde eine stabile Brücke geschaffen, über die die römischen Soldaten das gegnerische Schiff entern konnten.

Der erste Einsatz erfolgte bei Mylae - mit durchschlagendem Erfolg. Die Karthager wurden überrascht und hatten keinerlei passende Antwort parat.

Der große Nachteil des Corvus ist allerdings, dass er den Schwerpunkt des Schiffes verändert und das Schiff anfälliger für starken Wind wird. Die Römer verloren in der Folgezeit mehr Schiffe durch Schlechtwetter als durch den Feind. Der Corvus wird bei der Seeschlacht von Ecnomus (256 v. Chr.) nicht mehr erwähnt und war spätestens gegen Ende des 1. punischen Krieges (241 v. Chr.) nicht mehr im Einsatz.

Der Einsatz des Corvus ist mir teilweise noch immer ein Rätsel. Er funktioniert eigentlich nur, wenn sich die Schiffe in die gleiche Richtung mit etwa gleicher Geschwindigkeit bewegen oder nach einem Rammstoss, um dem Gegner den Rest zu geben oder wenn das gegnerische Schiff bewegungslos im Wasser treibt. Treffen zwei entgegenkommende Schiffe aufeinander und der Corvus wird eingesetzt, würde er meiner Meinung nach aus seiner Verankerung gerissen.

Die primäre Quelle für den Corvus ist Polybius. Er gibt die Dimensionen mit 1,2 m Breite und 10,9 m Länge an. Weiters wird eine schmale Brüstung erwähnt. Es gibt Unmengen an Darstellungen dieser Waffe, allerdings sind viele davon mit Vorsicht zu genießen (z.B. mehrere römische Soldaten nebeneinander auf der Brücke - bei 1,2 m Breite nicht möglich).

Hier nun das Schiff mit Corvus, wie es sich Zvezda vorgestellt hat. Breite ok, Länge etwas zu kurz - sieht aber beindruckend aus. Zu diesem Zeitpunkt erkannte ich leider noch nicht das wirkliche Problem!
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LG
Thomas

krugi3
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Re: Mylae 260 v. Chr.

Beitrag von krugi3 » So 1. Sep 2019, 13:42

Bei einer Stellprobe mit allen Schiffen offenbarte sich aber ein Problem, für das ich keine Lösung parat hatte und zwar:

Der Corvus wurde herabgelassen und hat sich im gegnerischen Deck verankert. Nun müßte der römische Soldat eigentlich nur auf die Enterbrücke steigen um zum anderen Schiff zu gelangen. Wie aber kommt ein Soldat ohne Hilfsmittel auf eine Enterbrücke, die sich in Hüfthöhe befindet und sich dort keinerlei Planken zum Begehen befinden?

Meine Überlegungen kreisten meist um mobile Stiegen oder irgendwelche Holzbalken zum Draufsteigen - alles nicht wirklich befriedigende Optionen. Doch dann führte mich Frank Ziegler in Kulmbach auf die richtige Fährte (DANKE!!!). Erstens: Der Corvus muss knapp über dem Deck angebracht sein. Zweitens: Die Planken müssen bis zum Masten gehen und haben in der Mitte eine freie Öffnung/Schlitz für das Hochziehen. Drittens: die Seitenteile sollten verblendet sein.

Mit diesem Wissen machte ich mich an den Umbau. Bei den Deckplanken folgte ich nicht ganz den Infos, da der Corvus im Modell nicht so weit hinaufgezogen werden kann, dass ein Schlitz in der Mitte notwendig geworden wäre - habe ich mir erspart. Die Mastbasis habe ich deutlich gekürzt. Da aber noch immer die Höhe etwas groß war, gab es als kleines Extra noch eine seitliche Aufstiegshilfe (nicht historisch überliefert, aber denkbar).

Das finale Ergebnis:

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Noch eine kleine Anmerkung am Rande: Sowohl auf der englischen als auch der deutschen Wikipedia-Seite über den Corvus ist ein Schemazeichnung vorhanden, die völlig dem Zvezda-Modell entspricht.

LG
Thomas

Florian K
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Re: Mylae 260 v. Chr.

Beitrag von Florian K » So 1. Sep 2019, 14:45

Hallo Thomas,
die Idee um Deine Umsetzung auch noch in dieser Größe und mit den vielen Umbauten und Detailiierungen finde ich einfach Klasse. Höchsten Respekt vor deinen Recherchen und dem Duchhaltevermögen.
Viel Spaß und Zeit, damit wir es nächstes Jahr sehen können.

Wolfgang
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Re: Mylae 260 v. Chr.

Beitrag von Wolfgang » So 1. Sep 2019, 15:13

Ich finde es immer klasse, wie man sich bei den Recherchen hilft und das dann auch umsetzen kann. Das wird ein beeindruckendes Diorama werden.
Liebe Grüße, Wolle

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